deser island classicsdie desert island classics story #4: Taxim

Maxfield Parrish
It's a Cinch to Give Legs to
Old Hard-boiled Eggs

katalog-nr. tx 2051
rock - 1999

Maxfield ParrishDer Anfang:
Die Geschichte beginnt an der San Francisco Bay im Jahre 1963. Der literarisch interessierte College-Anfänger, Gitarrist und Songwriter David Biasotti trifft den gleichgesinnten Mitstudenten und Banjospieler Randy Groenke, der vom Bluegrass-Fieber der damaligen Zeit infiziert ist. Eine kleine "In-Crowd" von Bay Area-Musikern beschäftigt sich intensiv mit dieser traditionellen Spielart US-amerikanischer Folk-Musik und versucht, einen amerikanischen Gegenpol zum grassierenden "British Invasion"-Hype zu kultivieren – quasi eine Bluegrass-Attitüde mit "Hip-Faktor". Randy Groenke hat Unterricht bei einem gewissen Jerry Garcia, zu dessen Schülerkreis sich bald auch David Biasotti gesellt. Als jedoch Biasotti und Groenke kurz darauf ihre "Misty Mountain Boys" gründen, ist jener Szene-Kopf jedoch bereits im psychedelischen Aufbruch zu neuen musikalischen Ufern...
Nach ihren ersten Bluegrass-Jahren gehen Biasotti und Groenke 1967 nach Südkalifornien – genauer: nach Claremont. Östlich von Los Angeles lockt nicht nur die Qualität der Colleges, sondern auch die lebendige Musikszene der Region. Biasotti trifft auf den Literaturfan und Freak David Perrin Muir. Gemeinsame musikalische Vorlieben von The Byrds über The Band bis zu traditionellen Folkballaden schweißten das Duo Biasotti/Muir rasch zu einem Songwriter-Team zusammen, bei dem die Aufgaben klar verteilt sind. Der von Folk-Balladen besessene Muir schreibt Texte, deren Beziehungsreichtum oftmals wie traumtänzerische Exkursionen in noch unentdeckte mentale Bereiche erscheinen. Biasotti hingegen komponiert Melodien, die flüssig und sperrig zugleich sind und ihn als interessanten Individualisten auszeichnen. Ein junger lokaler Musiker namens David McClellan stößt hinzu, und eine Band ist geboren. Erste Auftritte als Jim McGuinn Memorial Band laufen gut. Biasotti, Muir, Groenke und McClellan suchen einen neuen Namen und lassen sich vom Poster einer hippen Kunstausstellung inspirieren. Der Name des Illustrators: Maxfield Parrish.

Das Album:
1969 hört der ex-Kaleidoscope-Musiker Chris Darrow die neue Band Maxfield Parrish zum ersten Mal im Vorprogramm von John Fahey und ist mehr als angetan. Darrow selbst ist zu dieser Zeit in einer Szene aktiv, die intensiv mit der Verschmelzung von Folk-, Country- und Rockelementen beschäftigt ist – das Genre Country Rock gibt es noch nicht! Nach zwei Jahren in der Nitty Gritty Dirt Band und damit verbundenen Querelen vermittelt der umtriebige Michael Nesmith den mit Dirt Band-Chef Jeff Hanna zerstrittenen Musikern wie Chris Darrow, Bernie Leadon, John Ware und John London einen neuen Job als Backing-Band für die aufstrebende Sängerin Linda Ronstadt. Man nennt sich The Corvettes. Das Interesse an dieser Szene seitens der Industrie ist groß, und bald sind auch The Corvettes nicht mehr: Leadon geht zu den Flying Burrito Brothers, Ware und London zu Mike Nesmith's First National Band. Chris Darrow wird Solokünstler und Produzent. Sein erstes Projekt als Produzent wird natürlich Maxfield Parrish. Dafür rekrutiert er nicht nur die Corvettes-Mitglieder, sondern auch die ehemaligen Mitstreiter David Lindley und Chester Crill (a.k.a. Max Buda). Im Sommer 1969 beginnen die Aufnahmen.
Biasotti, Muir & Co. bringen Songs zu den Sessions ein, die ungewöhnlich, innovativ und gelegentlich sogar ziemlich weird sind. Eine Triloge narrativer Folk-Balladen im psychedelischen Gewand inspiriert Lindley & Co. zu Ideen wie einem mit Geigenbogen gespielten Banjo. Weitere Songs fusionieren Country- und Rockelemente auf bis dato nicht gehörte Art und Weise. Historisch bemerkenswert in diesem Zusammenhang sicherlich der Hinweis, daß nicht Gram Parsons oder Dillard & Clark allein diese Art von Verschmelzung erfunden haben. Auch die Songs von Maxfield Parrish ("It's Alright, I Love Her", "Bottle Of Reds Blues", "Ellie McCall", "Cross Over The World") vom Sommer 1969 sind zumindest partiell von stilprägender und wegweisender Qualität! Chris Darrow spricht heute in diesem Zusammenhang von einer Western Gothic-Qualität dieser Songs und spielt damit natürlich auf die literarische Tradition der romantischen Schauergeschichten an, die sich in den Balladen von Maxfield Parrish wie "The Widow" auf kalifornische (i.e. psychedelische) Art und Weise niederschlagen. So gelingt auf "It's A Cinch To Give Legs To Old Hard-Boiled Eggs" etwas, was zeitlich entsprechend etwa auch The Band gelingt: eine Rock/Folk/Country-Fusion mit dichter Atmosphäre, basierend sowohl auf musikalischen als auch literarischen Traditionen und Mythen, die Einzug in die Welt der zeitgenössischen Rockmusik finden. Noch heute ist dies beim (Wieder-)Hören dieser Produktion nachvollziehbar und beeindruckend. Bonus #1: zwei bislang unveröffentlichte Tracks aus diesen Sessions.
Doch es kommt wie es kommen musste: erst 1972 erscheint die Platte. Zu diesem Zeitpunkt ist natürlich nicht nur das Country-Rock-Genre fest etabliert, sondern auch die Band Maxfield Parrish non-existent...

Die Nachwirkungen:
Maxfield Parrish zerbricht letztendlich an der Tatsache, den Sound von "It's A Cinch..." live nicht reproduzieren zu können. Aufgrund der Verzögerung mit dem LP-Release (warum es nicht eher klappte, vermag heute niemand der Beteiligten so recht mehr nachvollziehen) schaffen es Biasotti, Muir & Co. nicht, den Impetus der Band zu konservieren und die Mitglieder zusammenzuhalten. Doch beide zentralen Köpfe nehmen 1972 anläßlich der Veröffentlichung der Platte neue Songs in Muirs Wohnung mit einfachem Equipment auf – fünf gute Beispiel für die Intensität dieses Duos finden sich auf der neuen CD: Bonus # 2. Die Aufnahmen zeigen, wie sehr David Biasotti zu diesem Zeitpunkt auch von den späten Beatles, The Band und auch den bluesigen Rolling Stones der "Exile on Main Street"-Ära beeinflusst ist. Noch heute arbeiten Biasotti und Muir zusammen, gelegentlich unter dem Namen Mad Meg. Doch wie es aussieht, bleiben die Songs von "It's A Cinch..." ihr musikalisches Vermächtnis. Chris Darrow dazu abschließend: "This album was my first job as a producer and I am as proud of it now as I was at the time, maybe even more so. So many of the participants on this album went on to great heights in the music business and I think that it is great to see how well the songs and the playing hold up after thirty years. This is one of the great, lost albums of the seventies, enjoy it."

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