deser island classicsdie desert island classics story #8: Taxim

Kevin Jones
Nobody's Father

katalog-nr. tx 3014
folk - 2000

Die Ostküsten-Metropole Washington DC ist nicht nur Ort der großen Politik, sondern war in den achtziger Jahren auch Heimat für eine lebendige Folk/Songwriter-Szene, aus der nicht nur Mary Chapin Carpenter und John Jennings hervorgingen, sondern die auch kreative Heimat für bescheidene Typen wie Kevin Jones war. An Sonntagabenden war er Dauergast im Szene-Treff "Gallagher's Pub" im Stadtteil Cleveland, und zusammen mit lokalen Berühmtheiten wie Steve Erwin und dem verstorbenen Ace Smith Teil einer Clique, deren Musik gehört und geliebt wurde - NOBODY'S FATHER ist der Beweis. Mary Chapin Carpenter, John Jennings, Steve Erwin, Pete Kennedy – alle haben sie Gastauftritte auf dieser 1989er Produktion aus den Bias Studios in Nord-Virginia. Es sind Songs der Jahre 1984-88, kleine Schnappschüsse aus dem wahren Leben. Kein Drama, keine übermäßige Betonung eigener Gefühlswelten, mit trockenem Tonfall und intelligentem Humor wird Alltag beobachtet. Etwas verschroben, aber immer handwerklich exzellent und mit der Attitüde des bewussten Individualisten.

"Brilliantly played and sung in an appealingly world-weary tone the songs wander into the blues quarter but still wear country clothes," schrieb Jo Cushley für das britische MOJO-Magazin anno 2000 in seiner "Homebrew"-Kolumne über spezielle "Grassroots-Produktionen, die größere Beachtung verdienen. Kevin Jones ist dabei vor allem ein exzellenter Gitarrist. Sein präzises und klares Picking mit Wurzeln in Folk, Country und Blues liefert das musikalische Fundament für diese kleinen Geschichten aus dem Leben eines Einzelgängers. Natürlich agiert hier nur eine kleine Besetzung aus Gitarre, Bass, Drums und Backing Vocals, Farbtupfer von Banjo, Mandoline, Fiddle und Harmonica runden NOBODY'S FATHER jedoch zu einer gelungenen Sache ab.

Sie geistern durch die persönlichen Charts, diese Songwriter-Alben, die es schaffen, individuelle Wichtigkeit zu erlangen. Kevin Jones erinnert dabei durchaus an längst Vergangenes wie die frühen Werke des Kanadiers Murray McLaughlin, den fast vergessenen Paul Siebel oder, Norman Blake . Auch dieses gewisse Rootsfeeling, wie man es von aktuelleren Midwest- und texanischen Songwritern wie John Prine und Joe Ely kennt, ist präsent, manchmal sogar der lakonische Tonfall des frühen Arlo Guthrie. Und wenn Kevin Jones Zeilen wie "Life is one big walk until you lose your breath/You start out walking very young and walk yourself to death" singt, dann gibt es keine Verwunderung sondern instinktive Zustimmung...
Was bleibt ist die Einsicht, dass Roots-Songwriterkunst auch oder vor allem im Kleinen und Unauffälligen funktioniert. Fernab von biederer Folkie-Seligkeit einerseits und Pop-Hochglanz andererseits. NOBODY'S FATHER von Kevin Jones ist jedenfalls ein Album, welches nur um etwas Zeit bittet, um dann als Freund und Begleiter zu bleiben. Ein Desert Island Classic.

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