Harem Girl - liner notesDarrow-Buda

Als Hans-Hermann Pohle, der Gründer von Taxim Records, mich fragte, ob ich zur Feier seines 20jährigen Firmenjubiläums ein Album aufnehmen könnte, fühlte ich mich sehr geehrt. Er hatte sein Label "Taxim" nach einem Stück von Kaleidoscope aus dem Jahre 1967 genannt, und wünschte sich nun ein neues Musikstück, eine Art "Taxim" für das nächste Jahrtausend.
Ich rief sofort Max Buda an, der nun seit über 30 Jahren mein Partner ist und ebenso wie ich zu den ursprünglichen Mitgliedern von Kaleidoscope gehörte. Wir spielten zunächst mit dem Gedanken, etwas Traditionelles aufzunehmen, stellten aber bald fest, daß es nach so langer Zeit und all unseren zwischenzeitlichen Erfahrungen passender wäre, darzustellen, was wir seit der ursprünglichen Aufnahme von "Taxim" gemacht haben.
Wir entschieden uns, eine Suite zu schreiben und dafür das nahöstliche Orignalmotiv mit eigenen Strukturen zu versehen. Zuerst kreierten wir ein Scenario, um mit der Musik eine Geschichte erzählen zu können. Die Geschichte heißt "Harem Girl" und handelt von Liebe und Intrigen, mit einem sehr modernen Aspekt. Wie bei "Peter und der Wolf" gaben wir den einzelnen Charakteren durch ein Instrument eigene Stimmen. Das Mädchen ist die Violine, der Sultan das WMI und der Fremde ein Akkordion.
Am wichtigsten waren uns die Geschichte und die Atmosphäre. Wir führten unsere musikalischen Darsteller ein und schufen einen neuen, magischen Ort. Ähnlich wie Duke Ellingtons "Paris Blues", Miles Davis "Sketches of Spain", Charles Mingus "Tijuana Moods" and Pharaoh Sanders "Tauhid", entschieden wir uns für eine eigene Sichtweise in der Darstellung des Exotischen. Rimskey-Korsakoff machte es ebenso, als er für "Scheherazade", die klassische Version des Exotischen, ein Orchester verwendete.
Filme haben sowohl auf Max als auch auf mich immer einen großen Einfluß gehabt, und die Filmmusik ist der offensichtlich größte moderne Einfluß auf uns. Wir haben allen Filmen, von Mancini bis Morricone, die wir gesehen haben, zugehört. Es gibt sogar ein kleines Stück Arthur Lyman und seine Art der Exotik in unserer Musik.
Wir sind sehr stolz, daß alle Kinder der ehemaligen Kaleidoscope-Mitglieder, die Musiker sind, auf dieser Platte dabei sind. Mein Sohn Steven spielt auf einer Reihe von Stücken Schlagzeug und einen großartigen Gitarrenpart auf "Flashing Steel". Max' Sohn KC Crill spielt auf dem Album Bass. David Feldhouse, Solomons Sohn, leistet einen wundervollen Beitrag mit seiner nahöstlichen Perkussionsarbeit, die für eine ethnische Atmosphäre sorgt. Roseanne Lindley, die Tochter von David Lindley und meiner Schwester Joan, steuert ihre wunderschöne Stimme als Mitglied von "Sons and Daughters of Raw" bei. Meine Schwester Liz Darrow Jones gibt dem Stück, zusammen mit Connie Mardon und Carolin Topalian, den unverkennbar weiblichen Ton.
Unser bevorzugter Keyboarder und Freund Jerry Waller glänzt in der Rolle des Fremden. John York holt als Beitrag seine exotische Trickkiste hervor. Craig Van Sant ist Garant für das exakte Zeitverhalten bei den einzelnen Kompositionen. Sein jazziges Schlagzeug geben dem Projekt einen tiefen Ausdruck. Ian Beardsley, der wie ein Sohn für mich ist, spielt eine phänomenale Flamenco-Gitarre auf "Chase". Ami Radunskaya, Mathematiker der Chaos-Theorie und Cellist in einer Person, ist Mitglieder der Streichersektion und spielt ein erstklassiges Solo auf "The Harem". Mein guter Freund Pebber Brown steuert nicht nur seine exquisiten Gitarrensolos auf "Harem Girl" bei, sondern erlaubte mir für die Aufnahmen die Verwendung seiner beiden neuen digitalen Roland VS-880 Maschinen. Meine Nichte Lauren Jones, die Tochter von Liz, spielt ausgezeichnet mit den Finger-Zimbalen auf "Flashing Steel".
Die männliche Seite des Chors wird durch Eddie Cunningham, Rob Morrow, Pat Brayer und Burl Johnson gebildet. Last but not least, spielt Nadra Beardsley, Ian und John York Schwägerin, eine Zahane, das ergreifende Klagen auf "Chase".
Wie Sie sehen, schöpften wir aus dem eigenen Stamm, und wir lieben sie alle. Vielen Dank.

Chris Darrow
Claremont, CA, 1998

Die ursprüngliche Kaleidoscope-Aufnahme von "Taxim" war ein früher Ausdruck für unsere gemeinsamen Bemühungen, eine neue Musik mit traditionellen Instrumenten, Formen und Stilen zu kreieren, indem wir diese vermischten. Wir haben immer geglaubt, daß die Vielfalt der gemeinsam gehörten und erlebten Musik es möglich macht, sie nicht in unsere Arbeit zu integrieren. In den dazwischenliegenden Jahren haben Chris Darrow und ich sechs Alben co-produziert, dieses eingeschlossen. Alle waren inhaltlich sehr unterschiedlich. Doch wenn man sie als ganzes sieht, bestätigen sie unser Ziel, Musik zu schaffen, die reich an Bezügen zur Vergangenheit ist und in der Zukunft trotzdem weitere Grenzen aufhebt.

Max Buda
1998




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