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Chris Darrow Slide on In katalog-nr. tx 2058 rock - 2002 Kumbha Mela (70K) Jailhouse Tattoo (74K) Don't Come Back (87K) bestellen |
Chris Darrow auf TAXIM - das ist
mittlerweile eine lange und immer wieder interessante Verbindung. Eine neue
CD dieses Veteranen der südkalifornischen Roots-Musik ist für Eingeweihte
wie eine Postkarte aus einer gleichermaßen fremden wie vertrauten Welt.
Fremd, weil Darrows Musik-Universum vom Pop- und Rock-Mainstream so weit abgekoppelt
ist wie etwa eine mechanische Schreibmaschine von der digitalen High Tech-Welt
moderner Bürolandschaften. Vertraut insofern, als dass seine Aufnahmen
nach wie vor im heimischen "Studio Nadine" den Weg auf einen Datenträger
mit "analoger Atmosphäre" finden, auch wenn inzwischen das "klassische"
Bandmaterial durch Hard Disk-Systeme ersetzt wurden.
Dazu durchzieht die künstlerische Ehrlichkeit Darrows alle seine Projekte,
und dieser Umstand bringt dem dankbaren Fan Kontinuität und Wiederhörensfreude.
Natürlich gibt es auch immer die kleine Schar von Freunden und Familienmitgliedern,
ohne deren Mitwirken kaum ein Darrow-Projekt vorstellbar wäre: Max Buda,
Elizabeth Darrow Jones, Craig Van Sant, Bob Siggins, Robb Strandlund .... Das
neue Album SLIDE ON IN ist wieder einer dieser musikalischen Postkarten-Grüße
aus dem Studio Nadine an die Welt. Es ist ein Album rund um die Slidegitarre(n),
so wie Chris Darrow sie spielt und liebt - immer etwas andersartig und stets
sehr persönlich.
Der Hintergrund für dieses Projekt war zunächst ein unerfreulicher:
Schulterprobleme machten es dem Musiker und Fotografen aus Claremont, CA, unmöglich,
einen Großteil seiner vielen Instrumente zu spielen. Er machte aus der
Not eine Tugend und entwickelte ein Projekt rund um die verschiedenen Aspekte
der Slide-Gitarre. Da Chris Darrow seine Art von Slide-Spiel auf dem Schoß
(lap steel slide) besorgt, wich er auf diejenigen Instrumente aus, die für
diese Spieltechnik in Frage kamen. Dabei entdeckte er einige seiner alten Schätzchen
auch für sich selbst wieder neu. Sein Instrumentarium für SLIDE ON
IN setzte sich zusammen aus: mid-60s Fender Lap Steel, 1014 Knutson Hawaiian
Guitar (Vorläufer der Weissenborn), div. 30s-style Dobros, eine Gibson
J-200-Kopie made in China, das kultige WMI (Weird Mexican Instrument), sitar
slide und noch einiges andere mehr.
Hinzu kamen natürlich die vokalen und instrumentellen Beiträge der
eingeladenen Freunde. Das Ergebnis ist ein idiosynkratisches, unterhaltsames
und schönes Werk von dem Mann, der mit Kaleidoscope und der Nitty Gritty
Dirt Band kalifornische Rockgeschichte schrieb und noch heute als "graue
Eminenz" der Claremont-Szene ein Vorbild für erfolgreiche lokale Nachfolger
wie Ben Harper ist.
Das Repertoire Chris Darrows auf diesem Album ist genau wie der Mann selbst
- vielseitig, reich an Überraschungen, und oft mit dem Flair des etwas
Abseitigen. Die Frage für den Darrow-Fan ist ja immer wieder: was gräbt
er wohl dieses Mal aus? Antwort: ein hypnotischer indischer Moll-Groove für
sitar slide ("Kumbha Mela"), diverse Songs über Gefängnisse
und deren Insassen ("Jailhouse Tattoo", "Tore Up From The Floor
Up"), Covers von Disco-Soul-Sirene Candi Staton ("Love Chain"),
Don "Sugarcane" Harris & Dewey Terry aka Don & Dewey ("Soul
Notion"), R'n'B Piano-Pionier Sonny Knight ("Short Walk"), Nashville-Pianomann
Floyd Cramer ("Last Date"), dazu diverse Originale und Instrumentals
aus dem Hause Darrow und der näheren Umgebung - 16 Tracks insgesamt und
keiner wie der andere.
Chris Darrow ist ein Künstler der alten Schule, und wie etwa Bob Dylan
scheint auch er an die Magie des "first takes", der unwiederholbaren
magischen Kraft des Augenblicks, zu glauben. Man spürt es einfach, dass
hier keine auf glatten Klangperfektionismus ausgerichtete Persönlichkeit
am Werk ist, sondern ein Musiker mit erdiger Bodenhaftung. So singt Darrow anno
2002 auch - sonor, weise und sehr glaubhaft. Auch der Enthusiasmus für
Musik allgemein ist ihm nicht abhanden gekommen. Wenn er über seine Fan-Leidenschaften
oder über seine Instrumente spricht, spürt man die Begeisterung dieses
Mannes für die Welt der Klänge. Diejenigen seiner speziellen Genre-Interessen,
die auf SLIDE ON IN ihren Niederschlag finden, sind wieder einmal nahezu allumfassend
in einem "roots" Sinne: früher schwarzer R'n'B, Musik aus Hawaii,
frühe Country Blues/ Gospel-Stilistiken, indische Klänge, Musik des
Nahen Ostens, authentischer C'n'W, Rock'n'Roll, Folk-Songwriting, Blues.
Auch wenn Chris Darrow's eigene Songs bei diesem neuen Projekt nicht unbedingt
im Vordergrund stehen, so gibt es doch ein Wiederhören mit "Whipping
Boy", dem von Ben Harper gecoverten Darrow-Song, für den der Titel
als Single-Auskopplung seines Debut-Albums sogar den kommerziellen Durchbruch
darstellte. Die CD erscheint wiederum in einer wertigen und liebevollen Aufmachung
mit zahlreichen Fotos und Kommentaren zu den einzelnen Tracks. "Die bundlosen
Instrumente kommen dem Klang der menschlichen Stimme am nächsten,"
so Darrow, "die lyrische, vokale Qualität der Slidegitarre ist sehr
verführerisch ... und meine Art des Slide-Spiels ist sehr von 'Sleep Walk'
von Santo & Johnny und von hawaiianischer Musik beeinflusst. Es gibt bei
mir einen stärkeren Hang zur Melodie, und das kommt von diesen Einflüssen
aus Pop und Hawaiian Music. Auch vom Blues bin ich natürlich beeinflusst,
doch mein Stil hat eine etwas andere Ausrichtung. Der Grund für diese Platte
ist jedenfalls, einige andere Seiten der Slidegitarre zu zeigen."
track listing

