cover

Schluff Jull
No Matter of Age

katalog-nr. tx 2060
rock - 2001

lineup
track listing


Come Spring (93K)
No Matter of Age (61K)
No Mistake (94K)

"Die Musik, die du hörst, wird zum Soundtrack deines Lebens," hatte Mike Bloomfield einmal gesagt. Und als wir die Arbeit an unserem dritten Album beendeten, hatten sich Bloomfields Worte auch für uns als wahr herausgestellt, besonders natürlich in Bezug auf diese neue und eigene Musik. Wir fingen zwar mit einer Menge konkreter Ideen und Pläne für die Gestaltung unserer dritten CD an, dass jedoch bei den Aufnahmen etwas ganz anderes entstand, fiel uns erst später auf. Als wir uns die vollständigen Tracks anhörten, war es wie in einen Spiegel zu schauen und zu sehen, was uns wirklich während der Aufnahmen bewegt hatte. Vielleicht war das so, weil diese Songs erneut mehr oder weniger live im Studio entstanden waren - mit allen Musikern im selben Raum zur selben Zeit.
Das bedeutet natürlich, daß es keine totale Kontrolle über die kreativen Prozesse und das Ergebnis gibt - genau wie im richtigen Leben.
Schluff Jull, März 2001


2001; NO MATTER OF AGE - keine Frage des Alters! Das klingt fast etwas trotzig. Aber ist es nicht auch in Zeiten geklonter Pop-Stars und Instant-Wegwerf-Popware verständlich, wenn sich eine Rockband traditionellen Zuschnitts gegen Aufmerksamkeitsspannen von drei Minuten für Musik zur Wehr setzt und stur auf die Freiheit der großzügigen zeitlichen Entfaltung ihrer Songs besteht? SCHLUFF JULL sind natürlich keine Heißsporne mehr, die mit allen Mitteln die Aufmerksamkeit der Popwelt erlangen wollen. Aber sie möchten gehört werden - und NO MATTER OF AGE ist bereits die dritte CD der vielköpfigen Band aus dem niederrheinischen Viersen. Nach wie vor heißt es für die Mannen um Songschreiber, Sänger und Gitarrist Olaf Kalemba - frei nach Sepp Herberger - "9 Freunde sollt Ihr sein". Denn die Besetzung von SCHLUFF JULL ist groß und man weiß, was man an einander hat.

Und an der nordrheinischen "left bank" läßt es sich für die Julls nach wie vor gut leben und musizieren. Heimatverbundenheit könnte man es nennen - für jeden US-Rocker eine Qualität, für Rockmusik aus Deutschland jedoch gleich mit dem unseligen Touch des Volkstümlichen belastet. Denn obwohl deutsche Tugenden wie Beständigkeit und Verläßlichkeit diese Band einerseits auszeichnet, ist ihre Musik andererseits sehr geprägt von etlichen US-amerikanischen Einflüssen aus der Rockgeschichte - Namen wie Grateful Dead, The Band und Allman Brothers Band werden zwecks Beschreibung ihrer wichtigsten Einflüsse gern genannt. Aber auch neuere Bands wie Blues Traveler, Widespread Panic und Phish zählen zu den Favoriten der Julls. Auch der Begriff "Southern Jam-Rock" fällt immer öfter, beispielsweise in den zahlreichen Kritiken über ausgedehnte Konzertabende von SCHLUFF JULL - nicht nur auf Deadheads-Treffen und Retro-Festivals. Live zu spielen ist letztlich das, was die Band am liebsten macht - und auch da ähneln sie ihren US-Vorbildern um Garcia & Co., denn auch die Dead hatten Zeit ihres Daseins immer Bedenken, den auf langsame Entfaltung intensiver Momente ausgerichteten Ensemblesound in die sterile Atmosphäre eines Aufnahmestudios zu transplantieren. NO MATTER OF AGE ist daher wieder einmal live im Studio entstanden - no regrets. Und diesmal schlägt sich die Verbindungslinie zu den Dead auch im Repertoire nieder, denn auch Cover von "I Know You Rider" und "Friend of the Devil" sind unter diesen neuen Einspielungen von SCHLUFF JULL zu finden - neben neuen eigenen Songs, deren Arrangements von SCHLUFF JULL wieder gemeinsam im Studio entwickelt wurden.

Nachdenkliche Gedanken mit einem leichten Hang zum Philosophischen sind es, welche diese neuen Songs der Band prägen. Denn die Lebensmitte ist geprägt vom Blick zurück auf das Gewesene und - im Fall von SCHLUFF JULL - vom Formulieren eines neuen Selbstbewußtseins und einem beherzten "keep the flame burning" - zumindest was das Hochhalten alter Rock-Tugenden wie Kollektivität und Freundschaft angeht - ganz der low-key Mentalität der Leute vom Niederrhein entsprechend.

Der Sound der 1985 gegründeten SCHLUFF JULL ist daher natürlich noch derselbe: traditionelle Songstrukturen verbinden sich mit ausgedehnten atmosphärischen Strecken, in denen intensive Momente kollektiver Kommunikation entwickelt werden - wie z.B. auf dem mit fast 14 Minuten längsten Stück der CD "Take My Chance". Schon dieser Songtitel verrät, daß es sich bei dieser Musik - trotz aller Nachdenklichkeit - als Ganzes um ein überaus positives Statement handelt, eine erwachsene Art von Rockmusik mit Sinn für verantwortliches Wechselspiel von Individuum und Kollektiv.

Diese Haltung macht aus SCHLUFF JULL eine sehr menschliche Band ohne falsche Attitüde und aufgesetztes Posertum. Ehrliche Häute mit ehrlichen Songs in einem eigenen Sound, der sich aus vielerlei Rock-, Folk-, Blues- und Improv-Elementen zusammenfügt. NO MATTER OF AGE ist ihr drittes Album. Wie sagte schon das renommierte US-Deadheads-Magazin RELIX über das zweite Album "Circlin' Round the Sun" - "this is true quality music".


lineup


track listing

  1. Come Spring (Olaf Kalemba) 6:39
  2. No Matter of Age (Olaf Kalemba) 5:08
  3. Road Marks (Olaf Kalemba) 8:31
  4. No Mistake (Olaf Kalemba) 5:04
  5. I Know You Rider (Trad.) 4:14
  6. At Least Sometimes (Olaf Kalemba) 5:21
  7. Take My Chance (Olaf Kalemba) 13:38
  8. Friend of the Devil (Garcia-Hunter-Dawson) 3:35
Siehe auch:
Schluff Jull




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