Anny Celsi
Little Black Dress
& Other Stories
katalog-nr. tx 2079
rock - 2005
Interpret
Anny Celsi - ein neuer Name aus Los Angeles, Kalifor-nien. Singer-Songwriterin, Gitarristin und Geschichtenerzählerin par excellence. LITTLE BLACK DRESS & OTHER STORIES ist ihr erstes Album und präsentiert eine Songkollektion der beson-deren Art. Songs mit dem Flair eines film noir und Protago-nisten, die von der charismati-schen Anny Celsi mit wacher Intelligenz und einem Gespür für psychologische Untiefen gezeichnet werden. Nicht nur US-Kritikerpapst Greil Marcus war voll des Lobes: "Die Musik steckt schon allein in Celsis Songwriting - umwerfend direkt und ganz ohne überflüssige Verzierungen."
Die amerikanische Fachpresse lobte LITTLE BLACK DRESS & OTHER STORIES als eines der besten Indie-Pop-Alben der jüng-sten Zeit und die Musikexperten des L.A. Weekly nominierten Anny Celsi für einen Award als beste Rock/Pop Songwriterin des Jahres 2004. Nun stellt sich diese interessante Künstlerin auch in Deutschland vor und man kann sich mit ihr auf einen Trip durch die verborgenen Schattenseiten des kalifornischen Lebens begeben. In Geschichten wie aus einem Schwarzweiß-Film der fünfziger Jahre, jedoch musikalisch umgesetzt in Farbe, mit Anklängen an Aimee Mann, Lucinda Williams und Sheryl Crow.
Los Angeles und die Dunkelheit - nicht erst seit den hard-boiled Kriminalromanen von Raymond Chandler immer wieder ein faszinierendes Thema für die Autoren des amerikanischen Westens. Auch die Songs von Anny Celsi sind wie Kurzgeschichten und pendeln zwischen dem Zwielicht der Dämmerung und der Dunkel-heit der Nacht. Sie ist eine Songwriterin mit einem feinen Gespür für die Lebensrealität von Menschen, in deren Schicksal die Nieder-lage zumindest ebenso präsent ist wie gelegentlich ein kleiner Sieg.
Kalifornische Utopien von sorglosem Leben in perfektem Sonnen-schein weichen hier zugunsten einer realitätsbezogenen Sichtweise der amerikanischen Normalität. Figuren wie die verlebte Kellnerin im diner und der einsame Typ im Auto mit einer Knarre hinter dem Fahrersitz haben in der musikalischen Welt von Anny Celsi Gewicht, denn sie alle haben eine Vergangenheit und sind in ihrer Verlorenheit undurchsichtig. Der nächste Nervenzusammenbruch lauert schon und das Aufwachen im Partydress am Strand wirft Fragen auf. Was ist geschehen?
Warum sind diese Menschen an einem bestimmten Ort zur bestimmten Zeit gelandet? Was haben sie vor? Wie wird alles enden? Das "kleine Schwarze" des Titelsongs symbolisert also weniger feminine Attraktion, sondern es kleidet eine Frau, die mitten im Leben steht. So sieht das auch Anny Celsi: "Egal, was Dir im Leben so passiert. Du ziehst das kleine Schwarze an und machst weiter. Die Frau in diesem Song kann darin auch ihre Reifen wechseln, wenn sie muß. Sie sieht dann immer noch gut aus und ihren Martini wird sie dabei auch nicht verschütten..."
Klingt und fühlt sich an wie pulp fiction - vor allem seit dem Erfolg des gleichnamigen Films von Quentin Tarrantino auch hierzulande ein Synonym für tragisch-skurrile Geschichten von der Schattenseite des amerikanischen Traumes und speziell der Unterseite von Los Angeles. Schon ein flüchtiger Blick auf die Cover-Gestaltung von LITTLE BLACK DRESS & OTHER STORIES beweist: hier wird die trashige Aufmachung amerikanischer Groschenromane inszeniert. Ein indirekter Hinweis auf den Umstand, dass sich hinter jeder Lächerlichkeit vielleicht auch ein ernsthaftes Drama verbirgt und die Gefahr unter Umständen an ganz unvermuteten Orten lauert. Diese zwölf neuen Celsi-Songs (nebst einem Cover des wunderbaren "No Time Like Now" von Translator) sind also an der Oberfläche wie kleine billige Geschichten für jeweils einen dime, doch dahinter verbergen sich unter Umständen überraschende Psycho-Untiefen.
Die musikalische Inszenierung wird dominiert von einer hippen Poprock-Sensibilität, die sich sehr um hooklines und Melodien kümmert. Mit Anklängen an unterschiedlichste popmusikalische Vergangenheiten - von Jackie DeShannon bis Peggy Lee. Die Melodien schmeicheln zwar dem Ohr des Hörers, doch um das Herz der Helden und Heldinnen dieser Songs ist eine kugelsichere Weste gelegt. Im Zusammenspiel von Licht und Dunkelheit entsteht so ein Spannungsfeld, in dem ein Happy End zumeist jenseits realistischer Erwartungshaltungen liegt. Man geht mit Anny Celsi auf eine Reise, doch man weiß nie so genau, was man wirklich über ihre Protagonisten erfahren möchte. Es ist wie in einer Kurzgeschichte von Raymond Carver - Dinge passieren, doch das Wesentliche bleibt unausgesprochen und muß von der Fantasie des Hörers/Lesers zusammengesetzt werden. Oder wie schon ein gewisser Herr Zimmerman schrieb: "Something's happening, but you don't know what it is....". Bei Anny Celsi klingt das wie folgt: "Every nice girl keeps things under her hat...". Die Magie verborgener Orte und versteckter Wahrheiten, mysteriös, dunkel und auf unwiderstehliche Art und Weise anziehend.
Musikalisch in Szene gesetzt werden Anny Celsis Geschichten in Songform auf eine vielseitige Art und Weise. Pop, Folk, Rock, Country, Jazz, Power Pop - sowohl akustisch als auch elektrisch. Ex-Lone Justice-Mitglied Marvin Etzioni produzierte, assistiert von Drummer Kevin Jarvis. Letzterer der Bruder von Lucinda Williams-Sideman und Celsi-Partner Duane Jarvis. Desweiteren zählen zur festen Anny Celsi Band: Randy Weeks (Lonesome Strangers), Phil Parlapiano (John Prine, Rod Stewart, Tracy Chapman), Robert Lloyd (Steve Wynn, Victoria Williams, John Wesley Harding), Bill Bonk (Aimee Mann, Grant Lee Buffalo), Hank van Sickle (John Mayall) und Steve Barton (Translator).
Anny Celsi ist daher fast zwangsläufig nicht eine der versponnenen und
introvertiert-verhuschten Protagonistinnen des weiblichen Songwriter-Genres.
Sie ist rootsig und handfest wie etwa Lucinda Williams und Katy Moffatt und
der Reifenwechsel im "kleinen Schwarzen" bereitet auch ihr im wahren
Leben wohl keine Probleme... Selbstredend tourt sie in den USA quer durch den
Kontinent, denn das Leben on the road sorgt immer noch für die interessantesten
Begegnungen und die unverhofftesten Geschehnisse. Wie die Geschichten dann jeweils
enden - wer weiß. Sie aufzuspüren und festzuhalten gelingt Anny Celsi
jedenfalls besser als viele ihrer zahlreichen Kolleginnen.
Siehe auch: Anny Celsis Homepage
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