Mr. Morning



Mr. Morning
The Sweet Scent of Butterflying


katalog-nr. tx 2083
rock - 2008

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lineup


track listing
  1. Peace of Mind (Mr. Morning) 5:15
  2. Concrete Jungle (Mr. Morning) 8:13
  3. Change of Perspective (Mr. Morning) 7:27
  4. The Veil (Mr. Morning) 3:25
  5. Bad Boy Blues (Mr. Morning) 5:35
  6. The Puzzle (Mr. Morning) 7:17
  7. Guerilla Girl (Mr. Morning) 5:54
  8. Overgro8und (Mr. Morning) 6:37
  9. The Mountain (Mr. Morning) 3:33
  10. Dreamer (Mr. Morning) 3:52

Mr. Morning

Getreu der alten Bauernregel “Wer langsam reit’, kommt gar so weit” erscheint nun endlich das zweite Werk der schwedischen Jamrocker Mr. Morning, „The Sweet Scent of Butterflying“. Satte 6 Jahre sind seit der Veröffentlichung ihres imponierenden Debüts „Furry and Fine“ vergangen. Wollte man die inzwischen im Musikbusiness gängigen Strategien von effizienz- und erfolgsorientierter Karriereplanung gelten lassen, so hätten die (inzwischen) sechs Nordmänner auch in der Zwischenzeit Harakiri begehen können. Aber was mittlerweile in der wohl hoffnungslos verluderten und verlotterten Branche gilt, ist zum Glück nicht die Elle, die man an das Jamrock-Genre im allgemeinen und eine Band wie Mr. Morning im speziellen anlegen darf. Und dass diejenigen, die sich seinerzeit an ihrem Erstling erfreut hatten, Mr. Morning in der Zwischenzeit vergessen haben, ist ohnehin nicht anzu­nehmen. Trotzdem ist es vielleicht angebracht, an einiges von dem zu erinnern, was wir damals geschrieben haben, um die Band und ihre Ausrichtung zu charakterisieren.

An ihrem Credo „organische Musik für echte Menschen“ hat sich nichts geändert. Die kollektive Identität der Gruppe steht immer noch im Vordergrund. Der Inhalt, also die Qualität der gemeinsam entwickelten Musik, ist nach wie vor wichtiger als die Verpackung, also das äußere Erscheinungsbild und die lässige, bewusst auf Understatement setzende Präsenz. Mitglieder von Jamrock – Bands kommen ja gemeinhin daher wie die sprichwörtlichen Typen von nebenan. Wie bereits damals an dieser Stelle prophezeit, hat sich das von den großen Labels anfangs als reines Epigonentum unbedarfter Nachwuchshippies belächelte Genre Jamrock durchgesetzt und auch als durchaus kommerziell interessant erwiesen. Auch wenn die Ideologie, unter deren Mantel dies geschieht, älteren und zynisch gewordenen Semestern manchmal arg naiv erscheint (Rückfall in selige Hippiezeiten), ist das Agieren dieser Bands ein sympathischer Versuch, sich der Fremdbestimmung und der Fern­steuerung durch die Industrie zu entziehen. Die Einbeziehung des Publikums ist von zentraler Bedeutung (weshalb fast alle Vertreter des Genres auch auf der Bühne die größte Wirkung entfalten), wodurch besonders in den USA längst so etwas wie ein Paralleluniversum jenseits kurzlebiger Trends und Moden entstanden ist, in dem zwischen Musikern und Fans eine Nähe besteht, von der viele heutige Megastars gar nicht mehr ahnen, dass es sie geben kann.
Gute Platten sind meist dann erschienen, wenn sie fertig waren. Ob in diesem Fall der lange Verlauf damit zu tun hat, dass sämtliche Band­mitglieder reine Freizeitmusiker sind (weshalb man aber keinesfalls den Fehler begehen sollte, sie als fröhlich dilettierende Amateure abzutun!) und noch einem seriösen Beruf nachzugehen haben (wie eben auch ihre deutschen Jamrock-Freunde Schluff Jull), oder ob man einfach nur die zehn neuen Eigenkompositionen wie einen edlen Bourbon in Ruhe reifen lassen wollte, muss dahingestellt bleiben. An Mr. Mornings Musik hat sich erwartungsgemäß nichts Fundamentales geändert. Die Gruppe eifert mit Hingabe und stilverschmelzend, niemals jedoch imitierend, den von „Furry and Fine“ bekannten Vorbildern Grateful Dead, String Cheese Incident, Tea Leaf Green, Widespread Panic, Moe, Railroad Earth und der ersten Liga des frühsiebziger Folk- und Countryrocks nach und ist allenfalls etwas kompakter, nuancierter und songorientierter geworden. Auch der längste Track geht nicht über die 10 Minuten–Grenze hinaus. Eine der für das Genre so charakteristi­schen Jams von mindestens doppelter Strecke fehlt diesmal und bleibt vielleicht einem Konzertmitschnitt vorbehalten. Alle fünf Musiker des Debüts sind noch dabei, hinzugekommen ist Carl Hansson, dessen Banjo- und Geigenparts dem Sound sparsam gesetzte, aber atmosphärisch wirkungsvolle Rootstupfer hinzufügen, etwa auf dem deutlich bluegrassinfizierten Titel „The Mountain“, der zu den Höhepunkten von „The Sweet Scent of Butterflying“ zählt. In eine zwar andere, aber ähnlich anachronistische Richtung weist der klug gewählte Opener „Peace of Mind“, fünf Minuten kristallklarer und luftiger Countryrock, der sich umgehend in den Gehörgängen einnistet – ein klein wenig Seelenfrieden in unserer mehr und mehr aus den Fugen geratenden Welt. Mehr wollen Mr. Morning für sich und ihre Hörer nicht. Weil sie ihn aber auch zu liefern verstehen, ist es unterm Strich doch eine ganze Menge.

Manchen Vertretern des Jamrock wird vorgeworfen, einen zu beliebigen Stilmischmasch anzurühren, deren Einzelelemente sich letztlich gegenseitig neutralisieren. Mr. Morning vermeiden diese Gefahr, indem sie sich auf einige wenige Grundsubstanzen der populären Musik beschränken und sich eben nicht (der Titel der CD könnte es vermuten lassen) wie ein ziellos umherflatternder Schmetterling von jeder reizvollen Blüte anlocken lassen. Schon die konventionelle Besetzung mit Gitarren, Bass, Drums und Percussion legt eine gewisse Selbstbeschränkung auf und weist in die Vergangenheit. Ohne dass es dabei kopflastig zugeht, schwelgen sie mal in Acid-Rock–Improvisationen, etwa bei „Overground“, einem Stück, bei dem umgehend klar wird, warum so viele Deadheads diesen Schwedenhappen goutieren, um gleich darauf einen Song wie „Bad Boy Blues“ zu präsentieren, der ganz einfach nur klassisch gebaut und traditioneller Rock der Güteklasse A ist.
Auch wenn die Tracks kürzer geworden sind, gilt unverändert das Verdikt von 2002: Go With the Flow. Diese Musik fließt: Mal wie ein majestätischer Strom, mal wie ein munter plätschernder Gebirgsbach, immer organisch, stets unprätentiös und vor allem dem Grundsatz verpflichtet, dass Ensemblearbeit und Teamwork gefragt ist. Sicher, ihre Vorbilder und Einflüsse stammen wie die von SCI, WSP, Moe und anderen renommierten Genre-Vertretern aus einer Zeit, die dreißig, vierzig Jahre zurückliegt, doch Mr. Morning sind beileibe keine Revivalcombo, die sklavisch nachahmt, andererseits aber auch kein Haufen überambitionierter Bilderstürmer, die historische Versatzstücke verwässern und zwanghaft auf modern trimmen. Die Band groovt relaxt in meist mittelschnellem Tempo, impft ihren Songs aber trotzdem die nötige Dosis Adrenalin ein. Niemand versucht, sich eitel in den Vordergrund zu spielen, obwohl man sofort registriert, dass das handwerklich–technische Können aller Beteiligten überdurchschnittlich hoch ist. Die Gitarristen Anders Johansson und Kent Palsson spielen sich immer wieder Melodiefetzen raffiniert zu, versinken mal miteinander, mal gegeneinander agierend in inbrünstig versunkenen Passagen, die den Hörer hypnotisch anziehen. Und Sänger Ola Kyttä, dem man bei keiner Silbe anhört, dass Englisch nicht seine Muttersprache ist und der über genau die passende unaufdringliche Stimme verfügt, um die überwiegend optimistischen Inhalte der Stücke rüberzubringen, setzt mit Mundharmonika und Maultrommel immer wieder Akzente, die dem Gruppensound seinen lustvoll vorwärtsgaloppierenden Touch verleihen.

Diese Musik ist offen, ehrlich, und biedert sich nicht an – ein Statement gegen die Oberflächlichkeit.

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